Trauerrede von Monsignore geistl. Rat Bernhard Appel aus Freiburg

 

Drei Lieder - gesungen vom Kammerchor des Helmholtzgymnasiums - wollen uns einstimmen in diese schwere stunde, in diese Feier für Katrin. sie hat selber einige zeit in diesem Chor mitgesungen. die Lieder besingen Afrika und sollen ein Hinweis sein auf die Sehnsucht nach weite und ferne, die Katrin immer wieder in sich gespürt hat. diese Lieder waren auch Bestandteil der Abiturfeier von Katrin vor über zwei Jahren.

es ist gut, dass sie alle, dass sie heute gekommen seid, um mit den Eltern und Tobias, Katrin auf ihrem letzten weg zu begleiten, der von unsagbarem schmerz erfüllt ist.

 

 

Wir stehen ja alle unter einem doppelten Schock. Wir stehen von Schmerz und Leid erfüllt vor dem Unfassbaren, was mit Katrin geschehen ist.

Und wir sind schockiert und fassungslos über das, was gestern in Amerika geschehen ist.

  Lasst uns jetzt in dieser Stunde drei Dinge versuchen:

  Lasst uns trauern und klagen.

Die letzten fünf Tage waren besonders für Gabi, Kurt und Tobias und für viele von uns zentnerschwer und haben einen dunklen Schatten über unser Leben gelegt:

Lasst uns den Tod von Katrin beklagen.

Was würden wir hergeben, um heute nicht hier sein zu müssen?

Es geht ins Unermessliche, was es nun auszuhalten gilt!

Die Wand vom Leben zum Tod ist hauchdünn. Eine bittere Wirklichkeit, der wir ausgesetzt sind. Und das gilt nicht nur für uns hier, das gilt heute auch für viele Familien in Amerika, die künftig leben müssen mit einem leeren Platz an ihrem Tisch, mit der Tatsache, dass einem der ihren – so wie bei Katrin – das Recht auf Leben genommen wurde.

Durch unser Hier – Sein wollen viele von uns zum Ausdruck bringen, dass wir an der Trauer und am Schmerz über Katrins Tod Anteil nehmen, dass wir mittrauern und mitklagen. Und ich darf sie dabei begleiten als einer, der Katrin gekannt hat von klein und der mit der Familie Wintermantel als Nachbar ihrer Tanten seit jeher freundschaftlich verbunden ist. Ihre Mutter hat mir in Erinnerung gerufen, dass mich Katrin bei einem Familienfest vor vielen Jahren ziemlich strapaziert und in Anspruch genommen hat.

Lasst uns aber nicht nur den Tod von Katrin beklagen, lasst und vielmehr in Dankbarkeit auf das Leben von Katrin blicken. Wir wollen uns sie, so wie sie war, vor Augen stellen, und uns bewusst werden, was sie für uns bedeutet  

 

(...)

Lasst uns nun in Dankbarkeit auf das Leben von Katrin blicken und einen Titel hören, der für Katrin ganz wichtig war: Er Heißt "Geh davon aus" und wird gesungen von einer Gruppe mit dem Namen: Die Söhne Mannheims.

Dieses Lied "Geh davon aus" von den Söhnen Mannheims ist für Katrin in einer entscheidenden Phase ihres Lebens zu einem ganz wichtigen Lied geworden. es ist ihr Lieblingslied. der text handelt von der Suche nach Verständnis und Wahrheit, von erfrorener liebe ist die rede, vom verlorenen Kampf, und vom Herzen, das bricht, aber auch vom Zusammengehören, von der Sehnsucht nach wärme, nach licht und liebe. dieses Lied spricht von Katrins leben, ist fast so etwas wie die Zusammenfassung ihres Lebens und doch gibt es in ihrem Leben noch so unendlich viel mehr.

da gibt es ihre Schulzeit am Helmholtzgymnasium und ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. sie lernt leicht, kann sich konzentrieren, in die Sache hineinknien. sie arbeitet hart für ihre Klausuren. sie schafft ihre ziele. heute vor einer Woche erfährt sie, dass sie ihr Vordiplom bestanden hat. sie ist darüber überglücklich, ruft viele an, auch ihre Patentante, mit der sie engen Kontakt pflegt. sie will allen Anteil geben, damit sie sich mit ihr freuen.

 

Da gibt es den Sport. Tennis wird ihre Leidenschaft. Als Spielerin kämpft sie bis zum Umfallen für ihre Mannschaft, erringt großartige Erfolge bis zur Deutschen Hochschulmeisterschaft. Als Trainerin kann sie jede und jeden einzelnen motivieren und zur Höchstform antreiben. Sie kann führen. Sie kann eine Mannschaft lenken. Die Vereine reißen sich um sie. Da gibt es ihre Sehnsucht die Welt kennen zu lernen und Neues zu entdecken. Reisen gehört zu ihrem Leben. paris, Spanien, Italien. Sie will alles, was möglich ist, kennen lernen, sehen, intensiv erleben, mit allen Fasern das Leben leben. Zuletzt ist sie fast drei Monate zu einem Praktikum in Korea. Sie plant Aufenthalte in den USA. New York ist eines ihrer nächsten Ziele.

Ihre Familie ist ihr ungeheuer wichtig. Wenn sie unterwegs ist ruft sie oft mehrmals täglich zu Hause an. Sie will wissen, wie es jedem einzelnen geht. Sie will sich mitteilen und erzählen, was sie gerade denkt, was sie erlebt und tut, was jetzt gerade bei ihr geschieht. Anteil nehmen und Anteil geben gehört zu ihrem Leben.

Besonders gern hat sie ihren Bruder Tobias, der vier Jahre jünger ist. Lange zeit schaut er auf zur großen Schwester. sie haben ein besonders liebe- und vertrauensvolles Verhältnis zueinander.

Ihre Freunde und Freundinnen sind ihr wichtig. sie fühlt sich von ihnen getragen. wenn sie fällt, ist sie sicher, dass sie von ihnen wieder aufgehoben wird. sie will überall helfen. sie will für andere da sein. wenn ihre Mutter sie daran erinnert, dass sie nicht alle Probleme der Welt lösen und alles leid lindern kann, sagt sie entwaffnend: " dann hättest du mir nicht so viele werte vermitteln sollen." Sie will auch Oliver helfen. wie es im Lied heißt, versucht sie ihn zu verstehen. Aber sie weiß auch: "so darf es nicht weitergehen".

Katrin ist begeisterungsfähig. Alles, was sie anpackt, tut sie gern, tatkräftig und mit sprudelnder Lebensfreude. Sie ist ein kommunikativer Mensch. Auf andere Menschen geht sie offen und nie voreingenommen zu. Schnelle gewinnt und erfährt sie Sympathie. Die Herzen fliegen ihr zu. Sie vermittelt einfach ein positives Lebensgefühl. Sie kann anderen Kraft geben. Katrin ist fromm, sagt ihre Mutter. Auf ihrer Weise fromm. Sie hat Kontakt zu Gott, sucht immer wieder die Stille einer Kirche. Das Glück, das sie in sich trägt, strahlt aus ihren Augen.

"Ich bin so glücklich, mir geht es so gut", sagt sie noch am vorletzten Sonntag ihrer Mutter, sie ist überzeugt, ihren Weg im Leben gefunden zu haben.

"Um mich brauchst du dir keine Sorgen machen"

So ist sie ein Geschenk für ihre Eltern, ein Geschenk für die, die sie kennen lernten, ein Geschenk für viele von uns. So werden wir sie in unserer Erinnerung bewahren. So werden wir sie immer lieben.

 

Tears in heaven - Eric Clapton

 

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